Wir zwei, ein Team

Woher

Beide kommen wir aus Berlin. Seit über zwanzig Jahren ein Paar und ein Team, verband uns schon immer die Leidenschaft für Reisen. Seit Beginn wurde alles dem Wunsch die Welt zu sehen untergeordnet. So lebten wir über Jahre in wechselnden 1 Zimmer Wohnungen, versuchten während der Arbeitsperiroden so viel wie möglich auf die Seite zulegen damit es wieder los gehen konnte. Meist waren wir 6 Monate auf Reisen und die andere Hälfte des Jahres in Berlin zum "ackern".  Ich komme aus der Filmbranche, in der ohnehin nur Zeitverträge geschlossen werden, immer für ein Filmprojekt, welches je nach Größe für mich hieß 4 - 8 Monate angestellt als Requisiteur. Astrid arbeitete in der Gastronomie, welches ebenfalls die Möglichkeit bot, 6 Monate im Jahr weg zu sein.

Auf unserer anderthalbjährigen Reise durch Chile und Argentinien mit unserem RoCar, ein LT 45 4x4, den wir ziemlich "geschrottet" hatten, entstand der Wunsch nach einem "richtigen" Auto. 2010 stieß JoCar, ein Unimog 1300 zu uns und wir beschlossen dem Hin und Her zwischen Reisen und Wiederkehr in den Moloch Berlin ein Ende zu bereiten. Nach 4 jähriger Vorbereitung, Ausbau und Reisefinanzierung war es dann so weit,

Seit dem 1. August 2014 leben wir in JoCar.

Womit

Nach unserer Rückkehr aus Südamerika war klar das wir ein anderes Fahrzeug brauchten. RoCar war hinüber und es hat sich gezeigt das ein VW LT unserer Meinung nach keine Alternative für Langzeitreisen ist. Zu anfällig die Technik, nicht Robust und keine ausreichende Kraft. Kurz gesagt in entlegenen Gebiet ist kein Verlass auf dieses Fahrzeug. Das zumindest ist unsere Erfahrung. Ein Unimog sollte es sein und 2010 war es dann so weit. Ein Bundeswehr-Sanitätskoffer wurde zu JoCar. Über einen Zeitraum von 4 Jahren, wir mussten natürlich nebenbei arbeiten um das ganze zu finanzieren, wurde aus dem olivgrünem Militärfahrzeug unser JoCar. Die Kabine haben wir 30cm höher gemacht, isoliert, neue Fenster eingesetzt und mit Holz ausgebaut. Wir haben einen Kühlschrank, Backofen, eine Gasheizung, Toilette und einen Herd. Ein dreistufiges Wasserfiltersystem und eine Solaranlage auf dem Dach, die uns komplett von äußerer Stromzufuhr unabhängig macht. Auch an der Technik wurde viel geändert und modifiziert. So haben wir ein Splitgetriebe eingebaut, welches uns ermöglicht halbe Gänge zu schalten. Eine größere Einspritzpumpe, ein Edelstahlauspuff, einen zweiten Tank, ein neuer Kompressor und handgefertigte Federn kamen ebenfalls dazu. Ausserdem haben wir einen Fahrradhalter und einen Reserveradhalter selber gebaut. Ein Satz neuer Reifen musste es auch noch sein. Viel Zeit, viel Geld und vor allem viel Nerven haben diese ganzen Aktionen gekostet. 

Und warum das ganze?


Nägel mit Köpfen oder der ökologische Fußabdruck

2014 verkauften wir nahezu alles und zogen in den Unimog. Das heißt wir haben keine Wohnung mehr, die untervermietet werden müsste oder nur Kosten verursacht, keine Sorgen mehr darum wo man denn nach der Reise unterkommt denn es gibt kein nach der Reise. Selbst als wir "zu Besuch" in Berlin waren lebten wir weiterhin in JoCar. Übrigens an dieser Stelle nochmals vielen Dank an das Berliner Ostbloc-Team, im speziellen Jakob und Lutz, die uns die Möglichkeit boten, direkt neben dem Bloc zu stehen. Für Berlin ein herrlicher Platz mit Natur- und Industrie Touch. Typische Berliner Mischung.

Und cool war natürlich auch, das der Weg zum ersten Boulder des Tage nur 10 Sekunden betrug.

Für uns war das nur konsequent und, das ist ein wichtiger Punkt für uns, ist unser Impact trotz unseres JoCars so gering wie nie zuvor und unser ökologischer Fußabdruck unbedeutender als von den meisten anderen in der westlichen Welt.

Ein paar Tatsachen:

JoCar schluckt bei normaler Reisegeschwindigkeit, das heißt zwischen 90 und 105 km/h ca. 20 Liter Diesel. Das ist viel. Aber, zu unserer Politik gehört das wir das Fahrzeug zu wenig bewegen wie möglich. Hört sich paradox an wenn man in einem Auto wohnt aber sobald ein Zielgebiet erreicht ist, meist ein Boulder- oder Klettergebiet, werden die meisten "Versorgungsfahrten" mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt. Eine Ausnahme davon war allerdings unser Marokko-Trip Februar bis April 2016. Dort haben wir zugegebener Maßen viele Kilometer in verhältnismäßig kurzer Zeit zurückgelegt.

Nun aber weiter zum Fußabdruck:

Wir verbrauchen kein Heizöl, da keine Wohnung oder Haus. Unser Wasserverbrauch liegt zwischen 80 und 120 Litern in der Woche, zu zweit! Als Vergleich lag der Durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf am Tag im Jahr 2014 in Deutschland bei 121 Litern!

Strom wird bei uns von der Sonne produziert, wir haben eine 400 Watt/Stunden Solaranlage auf dem Dach.

Gekocht wird mit Gas, wobei der Verbrauch je nach Jahreszeit zwischen 10 und 30kg im Monat schwankt. Unsere Textilien "reparieren" wir so oft es geht und unseren Speiseplan ergänzen wir nach Möglichkeit mit Wildgemüse, Obst und Wildkräutern. 

Wir denken, wir können trotz unseres spritschluckenden und auf manche martialisch wirkenden Partners, JoCar ein gute Gewissen haben.